Oh, du edles Ruhmesblatt!
Fall dereinst auf mich herab.

Wohin sonst sollt Sturm dich lenken?
Unnütz dich im Teich versenken?

Hoffe doch – du wirst ´s vermeiden,
auf wen Fremdes abgleiten

- ohne mich je zu berühren
würd’ ich deine Huld nie spüren!

Dies wär’ nicht nach mei´m Geschmack.
Fall auf mich nun - aber Zack!

Eben lob' ich noch das Wetter,
doch nun wird es zuseh'ns schlecht.
Liebe Sonne, komm' als Retter,
weil ich gerne braun sein möcht'.

Gerade auch in unsren Breiten,
mag - wer etwas auf sich hält -
unter Sonnenstrahlen leiden,
zahlt für Sonnenbänke Geld.

Macht das Blasse doch verdrießlich.
Alkohol, er färbt zu blau.
Braun sein will ich - zahl' ja schließlich.
Nicht zartrosa - wie 'ne Sau.

Sonnenstrahlen, Luft und Licht,
oh, du Schminke der Natur.
Streich' mir Arme, Hals, Gesicht.
Das ersetzt mir jede Kur.

Braun verstärkt mein Selbstvertrau'n,
seh's beim Blick in jeden Spiegel.
Kann mich endlich 'mal was trau'n.
Braunsein ist ein Gütesiegel!

Zeig' jetzt allen, was ich habe.
Putz mich 'raus, gleich einem Pfau.
Geil, das Großmannssucht Gehabe.
Weißes Hemd verstärkt die Schau.


Entnommen aus:
Manfred Röschlau
Bitte(r) Bös Artig
No Konsens Nonsens Gedichte
axel dielmann verlag, Frankfurt/M.
188 Seiten, 2007, 16,-EUR
ISBN 3 86638 124 7