Öffentlich geehrt zu werden,
lindert manche der Beschwerden,

die den alten Bock befallen,
wenn die Jahre nach ihm krallen

und sich jedes Glied versteift,
bis auf jenes, das nun schleift.

Entnommen aus:
Manfred Röschlau
Bitte(r) Bös Artig
No Konsens Nonsens Gedichte
axel dielmann - verlag, Frankfurt/M,
188 S, 2007, 16,-€
ISBN 3 86638 124 7

Kurz, bevor mein Leib verweste,
kommt es noch zu jener Geste,

die mein Siechtum zwar leicht lindert,
doch es leider nicht verhindert.

Hielt mein Chef ’ne kleine Rede,
während meiner Abschiedsfete.

Lobte, was mir sehr gefiel,
meinen rüden Führungsstil,

der zu dieser Firma passt.
Manchem war ich auch verhasst.

Mitten drin, im schönen Vortrag,
macht doch einer prompt den Vorschlag,

mich mal aus dem Weg zu räumen,
aufzuknüpfen an den Bäumen

draußen, im Spalierobstgarten,
wo bereits die Henker warten

auf den Herren Kandidaten.
Totengräber hielten Spaten…

Keine Zeit mehr blieb zum flieh‘n.
Konnte nur noch niederknien

und mich aus dem Leben stehlen,
mich zu meinem Gott befehlen,

auf der eignen Abschiedsfete,
ich bereits das Aug’ verdrehte…


Entnommen aus:
Manfred Röschlau
Bitte(r) Bös Artig
No Konsens Nonsens Gedichte
axel dielmann verlag, Frankfurt/M.
188 Seiten, 2007, 16,-EUR
ISBN 3 86638 124 7