Blass, fast weiß, erscheint sein Antlitz,
wohnt der Greis im edlen Wandlitz,

wo - aufgrund des tiefen rot -
war die Welt exakt im Lot.

Weiß und rot, so nolens volens,
sind die Farben jenes Polens,

dem die Menschheit viel verdankt.
Bisher hatte man gezankt.

Voitila und Vatikan,
schoben die Bewegung an,

die Walensa formt' und schliff.
Solidarnocz fest im Griff.

Polen, lange Zeit geschunden,
kannte sich gut aus mit Wunden.

Viele waren die Besatzer.
Feinde machten keine Patzer

wenn erneut zur Knechtschaft stand,
das begehrte Polenland.

Das hat sich nun selbst befreit.
Rings umher man Galle speit.

Polen hat sich viel getraut.
Gorbatschow hat zugeschaut.

Ob der neuen Starallüren -
schlugen Nachbarn zu die Türen.

Wie in einem schlechten Witz,
klafft' nun durch die Wucht ein Ritz

in den malträtierten Türen.
Frischer Wind war nun zu spüren.

Nicht nur auf des Enkels Mofa,
sondern auch auf jenem Sofa,

das behaglich an der Wand,
irgendwo in Wandlitz stand.

Und - obwohl die Fenster zu -
fror 's den Greis im dicksten Schuh.

Alle Welt nun endlich weiß,
warum schaut' so blass der Greis.
Die Flöte namens Piccolo,
man hört sie sonst fast nirgendwo,

war bester Freund vom alten Fritz,
nicht nur auf dessen Herrensitz.

Sie blieb sein ständiger Begleiter,
war er nun Staatsmann oder Reiter.

Ihr Klang hat Tausende betört,
nur selten hat man weggehört.

Ganz Preußen tanzte nach der Flöte
und wand sich ab von Herrn von Goethe....

Entnommen aus:
Manfred Röschlau
Bitte(r) Bös Artig
No Konsens Nonsens Gedichte
axel dielmann - verlag, Frankfurt/M,
188 S, 2007, 16,-€
ISBN 3 86638 124 7