Als pfeifend meines Wegs ich ging,
vom Baum der Dichter Fichte hing.

Zum Glück hing er an einer Fichte,
sonst gäb’ es itzo kein Gedichte.

Drei Meter weiter, tief im Torf,
steckte - erwürgt - Herr Eichendorff.

Vom schweren Schock ich tief erröte,
liegt da doch der erschlagne Goethe.

Ich hass das Leben, das Gemeine
- im Tümpel der ertrunk’ne Heine.

Und Schiller, dieser arme Tropf,
ihr ahnt es schon, der ohne Kopf,

er blickt – nun wird’s mir richtig schlecht –
in Richtung des erschoss’nen Brecht

der - abwärts treibend - in der Spree,
zusammenstieß mit Paulchen Klee,

der seinen Pinsel waschen wollte
im Blut des Konkurrenten Nolde,

der, nach Thomas Mannes Streiche,
mutierte zu ’ner weitren Leiche.

Zum Glück, ein Traum,
wenngleich ein Alp.
Denn tot war nur,
mein Schnitzel
Kalb.

Entnommen aus:
Manfred Röschlau
Bitte(r) Bös Artig
No Konsens Nonsens Gedichte
axel dielmann - verlag, Frankfurt/M,
188 S, 2007, 16,-€
ISBN 3 86638 124 7

Ein spätes Werk wird dann gelingen,
wenn erstens und vor allen Dingen,

der Taten Größe glänzt im Ruhme,
auch welket noch nicht jene Blume

am Grabe des Berichterstatters,
des Erstlingschreibers Greisentatters.

Der geht sein spätes Werk erst an,
wenn kaum noch etwas an ihm dran,

wenn Zipperlein, Pein und Gebrechen,
die Zunge löst zum großen Sprechen.

Dann wird berichtet, das, was war,
was man erlebt - oder beinah!

Ein großer Kreis, mit Verve gezogen,
erstreckt sich weit über den Bogen,

den allgemein man Erdkreis nennt
- es wird erdichtet und gelogen,
es wird verklärt und umgebogen -
was keck der Autor Rückblick nennt.

Nun braucht der freche Zeilenfeger
zum Ruhme nur noch den Verleger

- zur Glorie den schönen Schein -
dann streicht er die Tantiemen ein.

Gemachter Mann, nur etwas spät,
weil er partout nicht mehr versteht,

wie diesen Lug man kaufen kann.
Autoren sind oft übel dran.


entnommen aus
Manfred Röschlau
Bitte(r) Bös Artig
No Konsens Nonsens Gedichte
axel dielmann verlag, Frankfurt/M.
188 Seiten, 2007, 16,-EUR
ISBN 3 86638 124 7