Das Leben, es ist voller Mythen.
Denn selbst in alten Abfalltüten,
finden sich - mir bleibt ’s ein Rätsel -
noch Reste von der alten Brezel,

die Hungers ich dem Händler raubte,
auch ich sie längst verzehret glaubte.

Das bringt mich schon einmal ins grübeln.
Wer sollte dies mir auch verübelt.

Wie auch immer, welch ein Rätsel
Reste meiner alten Brezel
stecken tief in Abfalltüten,
welch ein Leben, welche Mythen.

Entnommen aus:
Manfred Röschlau
Bitte(r) Bös Artig
No Konsens Nonsens Gedichte
axel dielmann - verlag, Frankfurt/M,
188 S, 2007, 16,-€
ISBN 3 86638 124 7
Schau, ein Küchenkabinett!
Dr. K am Bügelbrett.

Tippse U sitzt auf dem Bett,
megamager - kein Gramm fett!

Schlau und windig, turbofrech,
lehnt am Schrank Herr Immerfesch!

Pressechef von eig'nen Gnaden.
Intrigant spinnt er den Faden.

Mitten drin ein Referent,
der sich durch die Firma pennt.

Wer jetzt einen Namen nennt,
trifft das Mobbing, bis er flennt!

Hier wird also ausgeheckt,
was den guten Ruf befleckt.

Grell, gespenstisch, diese Szene,
Grund, warum ich sie erwähne.

Faulheit, Neid und Lebenslügen
Basis von den Höhenflügen,

in den Hirnen dieser Sippe,
Arbeitsplätze auf der Kippe.

Führer ist ein Wurschtelhannes
Stets bemüht, glaubt er kann alles.

Schwätzt, wenn's nichts zu sagen gibt,
beste Chancen er versiebt.

Kunden, Gäste, Mitarbeiter,
flüchten möglichst - oftmals schreit er.

Tausendschönchen, Nimmersatt,
unser Chef liest nur vom Blatt,

wenn er eine Rede hält,
will er dafür auch noch Geld.

Fachlich Null und ferngesteuert,
Gegenteil er stets beteuert.


Dieser Herr gehört gefeuert.
Wer hat den bloß angeheuert?

Schriller kann kein Mißgriff sein.
Unser Vorstand stellt' ihn ein!

Drohgebärden, Wankelmut,
charakterisier'n ihn gut.

Auch sein Mißtrau'n macht ihn krank,
dieses Trumm von Kleiderschrank.

Ob er mit der Tippse schlief,
deren Einfluß stark und tief ?

Viele wollen's nicht recht glauben,
zu hoch hängt sie ihm die Trauben -
zeigt ihm oft die Daumenschrauben...

Ausgeburt von Niedertracht,
hangelt schlängelnd sie zur Macht,
wo sie auftaucht, Zwietracht lacht.

So könnt's ständig weiter geh'n.
Personell muß was gescheh'n!

Dies jedoch, ist das perverse,
hier liegt die Achillesferse.

Vetternwirtschaft, Protektion,
nirgends Qualifikation.

Wird von oben kaum gefragt,
Hauptsache, 's wird JA gesagt.

Für der Firma Wohlbefinden,
tun sich wenige nur schinden.

Zu guter Letzt bleibt nur ein Rest,
der krallt sich aneinander fest.

So wird's treiben, bis zum Schluß,
auch der Letzte gehen muß.

Agonie ist angesagt.
Nach uns bald kein Mensch mehr fragt.

Entnommen aus:
Manfred Röschlau
Bitte(r) Bös Artig
No Konsens Nonsens Gedichte
axel dielmann - verlag, Frankfurt/M,
188 S, 2007, 16,-€
ISBN 3 86638 124 7