Ein holder Knabe - wundermild -
ergreift beherzt der Nadel Schaft.
Die Schallplatte wird eingerillt.
Perfekt klingt die Musiklandschaft.

Welch Hörgenuss, welch Ohrenschmäuse
- und niemand stört das leise Rauschen -
verführt doch das Musikgehäuse
- der Andacht nah - zum innig Lauschen.

Nur eine macht sich nichts daraus.
Auch weilt sie nicht im Publikum.
Dem Klanggerät entrinnt 'ne Maus.
Vor Schrecken bleich, des Lärmes stumm.

Die traumentrückte Lauschgemeinde
zerfällt, ob des Geziefers Flucht.
Trotz Mozarts Lied, das einst sie einte.
Zu tief des Ekels dunkle Schlucht.

Nun wird allmählich allen klar,
versäumte doch - vorm ersten Ton -
der Knabe hold, ein Unhold war,
des Grammophones Inspektion.

Noch lang denk ich an die Kanzone.
Ein Liederabend - ist nicht ohne...

entnommen aus
Manfred Röschlau
Bitte(r) Bös Artig
No Konsens Nonsens Gedichte
axel dielmann verlag, Frankfurt/M.
188 Seiten, 2007, 16,-EUR
ISBN 3 86638 124 7
Strahlend und wallend,
allen gefallend,
Tritte laut hallend,
schritt sie daher,
zur Rechten den Speer.

Zur Linken die Lanze
geht sie auf's Ganze
bittet zum Tanze
in höfischem Glanze.

Sie schleudert den Knaben
- wollt' sich an ihr schaben -
hinauf zu den Raben
ins Baumkrongeäst.
Längst ist verwest
- sein trauriger Rest...

Kampfjungfrau nordisch,
stattliche Frau,
Augen stahlblau,
schleppt tote Kämpfer
in Walhalla's Bau.

Entnommen aus:
Manfred Röschlau
Bitte(r) Bös Artig
No Konsens Nonsens Gedichte
axel dielmann - verlag, Frankfurt/M,
188 S, 2007, 16,-€
ISBN 3 86638 124 7