Die Aktie purzelt in den Keller,
gleich eines scheuen Rehes Sprung.
Erst fiel sie langsam, doch dann schneller.
Zum Glück noch ist der Zocker jung.

Getrieben hat ihn die Versuchung,
die Höchstrenditen suggeriert,
er tätigte sogleich die Buchung,
und prompt hat er verspekuliert.

Sein guter Ruf ist ruiniert.
Ein 'heißer Tipp' hat ihn blamiert.
Vom Börsenspiel ist er kuriert.
Statt Daimler fahren wird spaziert.

entnommen aus
Manfred Röschlau
Bitte(r) Bös Artig
No Konsens Nonsens Gedichte
axel dielmann verlag, Frankfurt/M.
188 Seiten, 2007, 16,-EUR
ISBN 3 86638 124 7

Der Schöngeist liebt das Wahre, Gute.
Das Edle nimmt er huldvoll auf.
Dies gilt auch für Orchestertöne.
Ein Missklang regt ihn furchtbar auf.

Der Schöngeist liebt gedieg'ne Zeilen
- zuwider ist ihm jeder Schund -
um darin lustvoll zu verweilen,
auch rezitiert sie fein sein Mund.

Den Schöngeist ziert ein edles Näschen,
das ihm der Blüten Duft erschliesst.
In seinem Garten sprießen Gräschen,
die sacht ein Gärtner fleißig gießt.

Der Schöngeist, diese seltne Spezies,
wählt, was erbaut, stets mit Bedacht.
Er fühlt nur dann kristallne Reinheit,
wenn nied'res Tun ein and'rer macht.

Der Schöngeist weiß, sublimste Dichtung,
sie wird getrübt, stimmt ihn nicht froh,
wenn ihn bedrängt - er nennt's Verrichtung -
der Plebs sagt wohl: Ich muss auf's Klo.

Der Schöngeist ruft, ja, kreischt entrüstet
gerade hier nach Personal,
das für ihn flugs die Schüssel bürstet,
nachdem er stinkend sich empfahl.

Der Schöngeist hat nicht immer Anstand,
gleichwohl ein eifernd' Publikum.
Es turnt devot dem Herrn den Handstand,
so mancher jedoch leidet stumm.


Entnommen aus:
Manfred Röschlau
Bitte(r) Bös Artig
No Konsens Nonsens Gedichte
axel dielmann verlag, Frankfurt/M.
188 Seiten, 2007, 16,-EUR