Gleißend weiß
Soll Jack ein Gedichtlein schreiben,
oder lässt er's lieber bleiben?

Immer nach dem gleichen Schema,
stellt sich Jack zunächst ein Thema.

Stopft sich noch ein Tabakpfeifchen,
zupft zurecht sein Kragenschleifchen.

Öffnet Fenster, schließt die Türen.
Luft und Ruh' braucht 's zum Brillieren.

Auch der Bleistift wird gespitzt,
so, dass jeder Reim auch sitzt.

Auf dem Tische liegt auch prompt,
ein Papier, für das, was kommt.

Beinah' hätte Jack vergessen,
Dichter müssen auch was Essen!

Gegen seinen trocknen Hals,
steht bereit ein Bier aus Malz.

Vor ihm nun - das weiße Blatt.
Weiß wie Schnee, nicht glänzend - matt!

Dieses Blatt hebt sich nur knapp,
vom blütenweiß des Tischtuchs ab.

So ein Zufall, denkt er noch.
Da erspäht der Jack ein Loch,

inmitten dieser schönen Decke,
und ringsherum auch kleine Flecke...

Dieses Loch nun, lenkt ihn ab.
Sein Esprit macht merklich schlapp.

Jack wird unruhig, denkt im Kreis.
Das Papier - bleibt gleißend weiß.

Schweiß tritt aus, beperlt die Stirn,
und trocknet aus des Dichters Hirn..

Doch da! - ein Strich - auf der Tapete !
Und wie ein Schlag mit der Machete,

trifft ihn frech der zweite Frevel.
Seine Nase schnuppert Schwefel,

den der Teufel just versprühte.
Weg nun ist die Schaffensblüte!

Zorn steigt auf, Jack ist blockiert.
Das Auge sich im Nichts verliert.

Noch eben war Jack voll Ideen,
doch muss' er riechen, Dinge seh'n,

die schnöd' sein Dichterherz verletzen.
Jetzt muss er aus dem Hirn erst ätzen,

was jäh ihm dreist die Muße stahl,
und das Papier - einst weiß - wird fahl.

Jack gibt auf, hat kein Fortüne.
Nirgendwo Ideen mehr sprüh'n.

Dichten - unter solchen Qualen -
Jack versucht's jetzt 'mal - mit malen.

entnommen aus
Manfred Röschlau
Bitte(r) Bös Artig
No Konsens Nonsens Gedichte
axel dielmann verlag, Frankfurt/M.
188 Seiten, 2007, 16,-EUR
ISBN 3 86638 124 7
Biegen, bogte, gebag
Schmiegen, schmogte, geschmag
Liegen, loogte, gelag
Wiegen, woogte, gewag.

Wo soll das alles Enten?

entnommen aus
Manfred Röschlau
Bitte(r) Bös Artig
No Konsens Nonsens Gedichte
axel dielmann verlag, Frankfurt/M.
188 Seiten, 2007, 16,-EUR
ISBN 3 86638 124 7