Kloppstock fragt Herrn Ringelnatz:
"Macht das Dichten Dir noch Spatz?"

"Patz auf, Dir erzähl' ich watz,
exklusiv von Ringelnatz:

Neulich, als ich ruht' und ratzte.
Mir die Katz' die Nas' zerkratzte.

Hob die Tatze, haut sein Schatze,
mitten in die Dichterfratze!"

"Oh, Du edler Dichterfürst,
dass Du so geschlagen würst!
Ob's Dich wohl nach Rache dürst?"

"Laß' das Ganze auf sich ruh'n.
Leg' mir zu ein Suppenhuhn.

Diese Tierchen sind possierlich,
selbst im Kochtopf noch manierlich!

So nebenbei, oh zapperlot,
fällt mir ja ein, ich bin schon tot.

Wie kömmts, dass ich Dir Antwort gebe,
wo doch schon lang ich nicht mehr lebe ?."

"Auch ich bin tot, mein Ringelnatz!
Vor Jahren schon - mit einem Satz -
sprang ich auf meinen letzten Platz."

"Ach daher wir gemütlich plaudern.
Mag es den Leser - ruhig schaudern."

Entnommen aus:
Manfred Röschlau
Bitte(r) Bös Artig
No Konsens Nonsens Gedichte
axel dielmann - verlag, Frankfurt/M,
188 S, 2007, 16,-€
ISBN 3 86638 124 7

Bin in meiner Dichterklause.
Etwas fehlt am schönen Platz.
Fühl' mich fremd, nicht recht Zuhause.
Ratlos ich das Haupt mir kratz'.

Sitz am Tisch, schau in die Runde.
Stören mich vielleicht Geräusche?
Ist mein Geist mit Schnaps im Bunde?
Hoffe, daß ich mich nur täusche.

Irgendwas ist nicht wie immer,
in der Klause nah beim See.
Kommt es von dem Lichtgeflimmer?
Auch die Augen tun mir weh.

Seltsam anders auch Gefühle,
die mich zunehmend beschleichen.
Liegt es an des Sommers schwüle?
Mag die Zeit doch nur verstreichen.

Nur nicht flunkern, eisern hinschau'n.
Analyse - bleibe klar!
Irgendwann merkt man das Altern,
wird den Abbau man gewahr.


entnommen aus
Manfred Röschlau
Bitte(r) Bös Artig
No Konsens Nonsens Gedichte
axel dielmann verlag, Frankfurt/M.
188 Seiten, 2007, 16,-EUR
ISBN 3 86638 124 7