Das Glas, es ist nur halb gefüllt,
noch wag' ich es zu neigen.
Gleich wird ein großer Wunsch erfüllt,
schon bald beginnt der Reigen.

Das Glas, ich halte es ins Licht,
sein Inhalt funkelt Purpur.
Der edle Schliff die Farbe bricht,
welch' wunderbare Leuchtspur.

Das Glas, es wiegt in meiner Hand,
beginn' es sacht zu schwenken.
Sehr angenehm ist sein Gewicht,
läßt mich an manches denken.

Das Glas, in seiner Wohlgestalt,
nun führe ich's zur Nase.
Dem Wein entströmt mit Urgewalt
- ein Duft - die schönste Phase.

Das Glas, gefüllt mit jenem Gut,
bald werde ich's goutieren.
Kein trinken, schlucken, dieser Glut,
nur feines zelebrieren.

Das Glas, der Wein, das Maß, die Glut,
auf das der Start gelinge.
Die Flasche steht - erwartungsvoll.
Auch ich bin guter Dinge.

Entnommen aus:
Manfred Röschlau
Bitte(r) Bös Artig
No Konsens Nonsens Gedichte
axel dielmann - verlag, Frankfurt/M,
188 S, 2007, 16,-€
ISBN 3 86638 124 7

Die Zeilen bringen grell ans Licht,
wes Geistes Kind ihr Autor ist.

Führt etwa Böses er im Schilde,
so ist der Leser bald im Bilde.

Genauso wie bei guten Taten,
der Leser riecht auch diesen Braten.

Die Trauer lässt ihn bitter weinen,
mit dem Poeten sich vereinen

gar wütend ihn zum Messer greifen,
will üble Hand die Backen pfeifen

des unbescholt’nen Prosaisten
nur weil der einfühlsam in Listen

die Namen jener aufnotiert,
die einst sein Oeuvre angeschmiert.

Kannst drunter und auch drüber schlafen.
Die Wahrheit wird die Lüge strafen.


entnommen aus
Manfred Röschlau
Bitte(r) Bös Artig
No Konsens Nonsens Gedichte
axel dielmann verlag, Frankfurt/M.
188 Seiten, 2007, 16,-EUR
ISBN 3 86638 124 7