Vom Turme her erschallt es dumpf,
der Glocke Bumm und Bomm.
Mein Hörorgan wird zusehn's stumpf,
ich nicht zur Ruhe komm'.

Ganz anders klingt der Muezzin.
Der singt ein fröhlich Lied dahin
von seinem Minarett.
Doch währt's zu lang, treibt mich auch dies
aus meinem warmen Bett.

Des Rabbis Religionsgesang
nur selten bis nach Außen drang
durchs Mauerwerk der Synagogen.
Drum mach' ich hierum keinen Bogen.

Der Kultgesang aus Afrika
war weit vor all den andern da.
Zwar rhythmisch, doch im Klang eher flach,
macht mich der Voodoo müd' statt wach.

In der Buddhisten Glaubenslied
hör' ich nur wenig Unterschied
zum Klang der indischen Brahmanen.
So dient auch hier ein Schlafgesang
zum Preisen Gott und Ahnen.

Von Ink- und Mayas ist bekannt,
sie nehmen Flöten gern zur Hand.
Beträllern damit in den Anden,
des Kondors Gleitflug, Start und Landen.

Und auch der Atheist hat seinen Lobgesang.
Ist er dazu noch Kommunist,
wird's bald den andern
- angst und bang.


Entnommen aus:
Manfred Röschlau
Bitte(r) Bös Artig
No Konsens Nonsens Gedichte
axel dielmann verlag, Frankfurt/M.
188 Seiten, 2007, 16,-EUR