Ein Häslein sitzt vor einer Möhre
und spricht zu ihr: "Wie schön Du bist!
Doch leider mag ich Dich nicht nagen,
denn auf Dich hat ein Hund gepisst.

Nun ist Verzicht nicht meine Sache,
Du süße, gelbe, Rübe, mein!
Ich zieh' Dich durch 'ne Wasserlache,
danach verleib' ich Dich mir ein."

Die Möhre weiß, des Häsleins Hunger,
der ist ihr sichrer, ew'ger tot.
Da plötzlich, wie aus heit'rem Himmel,
fällt auf die Rübe etwas Kot.

Der Jagdhund wollt' das Hasli reißen,
doch ihm passiert ein Missgeschick.
Der Hund musst‘ prompt beim Jagen scheißen.
Dies war des Möhr- und Häsli‘s Glück.

Das Glück kann so beschissen sein,
sinniert der Has', beißt trotzdem 'rein.

entnommen aus
Manfred Röschlau
Bitte(r) Bös Artig
No Konsens Nonsens Gedichte
axel dielmann verlag, Frankfurt/M.
188 Seiten, 2007, 16,-EUR
ISBN 3 86638 124 7

Der Jäger durch den Wald spaziert,
dabei ein zartes Reh goutiert.

Die Büchse hängt um seinen Hals,
wenn's Reh vorbei kommt - denkt er – knallt 's.

Er sucht das Wild im Unterholz,
dabei hilf ihm sein Dackel Scholz,

der - krumm das Bein, die Ohr 'n gespitzt -
delierend durch die Flure flitzt.

Zunächst hüpft längs ein kleiner Hase.
Der Luftzug zwirbelt Scholzens Nase.

Jetzt aber wird das Reh gescheucht!
Jedoch wird Scholz erneut getäuscht.

Denn mittels von besond'ren Gaben,
passiert das Wild flugs jenen Graben,

den Scholz nur schwimmend kann durchqueren -
Probleme tun sich rasch vermehren.

Scholz kompensiert sein Missgeschick,
mit einem alten Hundetrick.

Er kläfft, anstatt heran zu schleichen
und glaubt, das muß zum Jagen reichen.

Doch Scholz - er hat zu laut gebellt.
Das Ohr des Brets ward jäh erhellt.

Der Lärm, er hat das Tier gewarnt.
Der wack're Weidmann ist enttarnt!

Das scheue Bret entschwand im Wald.
Nicht einmal hat ein Schuss geknallt.

Die Jagd hat nunmehr kein Wert,
so sind enttäuscht sie umgekehrt.

Scholz' Ohren schleifen tief im Sand.
Auch leckt er treu des Jägers Hand.

Dies reizt des Weidmanns Tränendrüse.
Zu Abend gibt's - statt Reh - Gemüse.


Entnommen aus:
Manfred Röschlau
Bitte(r) Bös Artig
No Konsens Nonsens Gedichte
axel dielmann verlag, Frankfurt/M.
188 Seiten, 2007, 16,-EUR
ISBN 3 86638 124 7