Gar hoch zu Reiter sitzt das Ross,
stiert gluterregten Aug's die Schlacht.
Es weiß, es reitet seinen Boss -
der hat vor kurzem schlapp gemacht.

Den Rappen freut die Perspektive
verlieh'n vom Ritter Wohlgestalt.
Wenn der nur etwas schneller liefe,
nicht allzu dröge, längs am Wald.

Der Wald, er schweigt und schwanket schwach.
Den Ritter - tumb - befällt ein Grimmen.
Aus Furcht bleibt er zwei Nächte wach -
hört' er doch längst vergang'ne Stimmen.

Kobolde, Hexen, Trolls und Wichte -
des Waldes bunt gemischte Schar -
sie tanzen wild um eine Fichte
und zieh'n sich am verfilzten Haar.

Da scheute der beritt'ne Reiter,
er bäumt sich auf, wie einst sein Ross.
Und krachend fällt das Pferd vom Reiter -
nun ist der Ritter wieder Boss.

Der peitscht das Tier nun - lang die Zügel,
er spornt - ja quält - die Kreatur,
hinauf auf einen steilen Hügel,
aus Staub und Donner seine Spur.

Das Ross, es wirft sich in die Schlacht,
zermalmt den Feind, verschont den Freund.
Da fällt es jäh in einen Schacht -
benebelt von des Ritters Joint.

Das Ross, der Joint, die Schlacht, der Troll,
ein Sittenbild von hohem Rang.
Der Leser fragt sich, was das soll,
auch wird's dem Autor langsam bang.

Entnommen aus:

Manfred Röschlau
Bitte(r) Bös Artig
No Konsens Nonsens Gedichte
axel dielmann verlag Frankfurt/M,
188 Seiten, 2007, 16 €